Mind-Akademie 2026

(Text-)Anfänge in der deutschen Nachkriegsliteratur

Kaum eine literaturgeschichtliche Epoche zeichnet sich durch einen so problematischen Anfang aus wie die deutsche Nachkriegsliteratur. Dies gilt umso mehr, als zentrale Vertreter etwa der literaturpolitisch wichtigen ‚Gruppe 47‘ mit großem Pathos eine ‚Stunde Null’ proklamieren. Dadurch kommt es zum Ausblenden der eigenen Vorgeschichte im NS-Deutschland (häufig als Wehrmachtssoldaten und bereits literarisch Publizierende) und zur Illusion einer tabula rasa, eines vermeintlich voraussetzungslosen Neubeginns aus sich selbst heraus. Vor diesem Hintergrund ist es kein Zufall, dass die sich durch ihr unvermitteltes Einsetzen ‚in medias res‘ auszeichnende Kurzgeschichte die paradigmatische Gattung nach 1945 darstellt. Was verraten also Textanfänge – insbesondere von kürzeren und längeren Prosatexten – über die Epoche? Der Vortrag wird durch einen anschließenden Workshop ergänzt.

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apl. Prof. Dr. Jörg Schuster

apl. Prof. am Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik der Goethe-Universität Frankfurt am Main; 2001 Promotion an der Universität Tübingen ("Poetologie der Distanz. Die 'klassische' deutsche Elegie 1750-1800"); 2001-2007 Wiss. Mitarbeiter am Deutschen Literaturarchiv Marbach, Mitherausgeber der Tagebücher von Harry Graf Kessler; 2011-2012 Junior Fellow des Alfried-Krupp Wissenschaftskollegs Greifswald (Monographie "Die vergessene Moderne. Deutsche Literatur 1930-1960"); 2012 Habilitation an der Universität Marburg ("'Kunstleben'. Zur Kulturpoetik des Briefs um 1900 – Korrespondenzen Hugo von Hofmannsthals und Rainer Maria Rilkes"); zahlreiche Publikationen zur Literatur-, Kultur- und Mediengeschichte vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart