Mind-Akademie 2026

Wer bin ich? Warum wir uns das nicht nach jedem Aufwachen fragen müssen

Jeden Morgen endet eine Phase ohne bewusstes Erleben – und trotzdem wachen wir meist nicht mit der Frage auf, wer wir sind. Wir erleben uns unmittelbar wieder als dieselbe Person. Aber woran erkennt unser Gehirn dieses „Ich“ eigentlich? Das Teleporter- oder Klon-Paradox zeigt, wie brüchig unsere Intuition von persönlicher Identität werden kann: Wenn eine Person mit denselben Erinnerungen, Eigenschaften und Lebensbezügen rekonstruiert oder verdoppelt würde – wer wäre dann noch „ich“? Im Alltag wird diese Frage meist unbemerkt beantwortet. Gedächtnisprozesse, besonders das autobiographische Gedächtnis, stellen nach dem Aufwachen Orientierung, Vertrautheit und persönliche Kontinuität her. Der Vortrag verbindet Gedankenexperimente zur Identität mit neuropsychologischen Befunden zu Schlaf, Gedächtnis und Störungen des Selbsterlebens. Dabei geht es darum, warum aus dem Ende bewussten Erlebens meist nahtlos wieder ein Anfang als dieselbe Person wird.

Das Profilbild der Vortragenden
Dr. Gordon Feld

Ich bin Psychologe und Neurowissenschaftler, der seit 2019 am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit eine Arbeitsgruppe zum Thema Schlaf und Gedächtnis leitet. In meiner Promotion habe ich mich mit verschiedenen Neurotransmittern beschäftigt, die das Gedächtnis im Schlaf stärken. Danach habe ich Zeit am UCL und am Wissenschaftskolleg zu Berlin verbracht. Während meiner Habilitation habe ich mich zunehmend der Frage gewidmet, wie Suchterkrankungen mit der gesteigerten Gedächtnisleistung von belohnten Inhalten zusammenhängen. Dabei fasziniert mich zunehmend der Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit, dem Schlafverhalten und Gedächtnisleistungen. In meinen Arbeiten nutze ich zusammen mit meinem Team modernste Hirnbildgebung mittels (f)MRT, EEG und MEG, um durch traditionelle Analyseverfahren und moderne KI-gestützte Algorithmen dieser Frage nachzugehen.