Schon heute, bei noch 1,4℃ globaler Erwärmung, untergräbt der Klimawandel die Existenz von Millionen Menschen im Globalen Süden. In Afrika verschieben sich der Steppen- und Savannengürtel südlich der Sahara stetig nach Süden. Viele Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage. Wenn es geht, bauen sie andere, trockenresistentere Feldfrüchte an. Oder sie ziehen in feuchtere Gebiete weiter im Süden. Nicht wenige lassen sich am Rande grosser Städte nieder. Die Menschen erleben einen tiefgreifenden Wandel. Eine wissenschaftlich fundierte Vorstellung von Klimawandel und dessen Gründen haben die wenigsten von ihnen. Sie machen sich jedoch einen eigenen Reim auf das, was ihr Leben so einschneidend verändert. Manche verzweifeln, manche aber entwickeln eine Kreativität, die ihnen das Überleben und vielleicht einen Neuanfang ermöglicht. Selten können die Menschen die bleiben, die sie einmal waren. Es ist ein existentieller Wandel, den sie so gut es geht zu gestalten suchen und dessen Folgen sie dennoch zu anderen Menschen macht.
Dr Till Förster ist Professor emeritus for Anthropologie und Gründungsdirektor des Zentrums für Afrikastudien an der Universität Basel. Er hat über Jahrzehnte regelmässige empirische Forschungen in West- und Zentralafrika durchgeführt. Seine Forschungsbiete sind die Künste und visuelle Kultur sowie Fragen der Governance und Staatlichkeit. Er ist Autor mehrerer Bücher sowie zahlreicher Artikel zu diesen und verwandten Themen. Demnächst erscheint Hegemonie and Autonomy in the African Savannah, in dem er nachzeichnet, wie es kleinen bäuerlichen Gesellschaften ohne Staat gelang, Frieden und ihre Unabhängigkeit in gewalttätigen Zeiten zu bewahren.