Wer sich mit dem Nahen Osten der Gegenwart beschäftigt, kommt um das Thema Krieg und Gewalt nicht herum. Diese Region erscheint in westlichen Medien geradezu als Paradebeispiel für eine jahrzehntealte Gewaltspirale. Wie gehen Menschen mit einem derart von Unsicherheit und Angst geprägten Alltag um? Welche Spuren hinterlässt diese Situation im Denken und Leben gerade junger Menschen?
Die aktuelle arabische Literatur ist tief geprägt von diesen Fragen, oft wird sie als verzweifelter Aufschrei, Klage oder politischer Protest entworfen. Dieser Vortrag beschäftigt sich mit einem irakischen Roman, der zur Zeit der US-Invasion in Bagdad 2003 spielt. Ein irakischer Student musste sein Studium im Krieg aufgeben, um die Leichenwäscherei seines verstorbenen Vaters zu leiten. Zutiefst traumatisiert grübelt er über Ende und Anfang, Tod und Leben im Kontext von Terror und Gewalt nach.
Prof. Dr. Friederike Pannewick wurde 2007 zur Professorin am Centrum für Nah- und Mitteloststudien (CNMS) für den Bereich Arabistik der Philipps Universität Marburg berufen. Schwerpunkte ihrer Forschung bilden die moderne arabische Literatur und Kultur, arabisches Theater und Performance, Kultur- und Ideengeschichte der arabischen Welt sowie historische und literarische Anthropologie. Seit 2005 ist sie Mitglied des Kollegiums des Forschungsnetzwerks „Europe in the Middle East – the Middle East in Europe“ und derzeit Vorstandsvorsitzende des Forum Transregionale Studien in Berlin.