Kilian Kuhlendahl
Ich habe für den Dokumentarfilm Vergiss Meyn nicht viele Anfänge und Enden gesetzt, und danach mit der Graphic Novel War doch alles schön eigene Familienmythen auseinander genommen. Gleichzeitig zur Erzählkunst bin ich in mehreren Bands tätig – darum liegt meine Forschungsfrage nahe:
Wo liegen die Gemeinsamkeiten in den Wirkmechanismen von Geschichten und Musik? Wenn wir Erzählungen akzeptieren, die gar nicht logisch sind – was liegt da jenseits der (diegetischen) Logik? Nennen wir es mal „Kognitive Harmonie“.
Ich bin Jahrgang 1993 und lebe in Köln, wo ich an der Kunsthochschule für Medien 2017 mit einer Arbeit über die Grenze zwischen Filmfigur und Personifikation sowie mit einem Hörbuch abgeschlossen habe. Heute arbeite ich neben der Erzählkunst und der Forschung noch in der Medienpädagogik: Denn jede:r soll die eigenen Geschichten erzählen können.
Beitrag
Anfänge und Enden werden nicht entdeckt, sondern erst beim Wahrnehmen gesetzt. So teilen wir das Kontinuum des Erlebens in einzelne Abschnitte ein. Diese fügen wir dann zu bedeutungsvollen Strukturen zusammen, den Erzählungen. Erzählungen geben uns Handlungsfähigkeit.
„Erzählung“ heißen aber auch Geschichten, der Gegenstand der Narratologie: komplexe Werke aus Sprache, Ton oder Bild, die eine Welt imaginieren lassen. Das ist meistens unterhaltsam und vermittelt außerdem ein Weltbild.
Gerade bei Geschichten im Medium Film ist die Frage nach Anfang und Ende überall: Wo wird in eine Einstellung hineingeschnitten und wann wieder heraus? Darf der Film an dieser Stelle enden, oder wäre das unbefriedigend? Wann ist der Bogen überspannt?
Der interaktive Vortrag geht den Fragen nach, wie Anfänge und Enden gesetzt werden, wann wir sie in Geschichten erwarten oder sogar fordern; und was das für das Weltbild bedeutet. Und kann man beim Erzählen darauf Einfluss nehmen? Besonderes Augenmerk liegt auf dokumentarischem Erzählen.